Osteopathie auf Fuerteventura
Heilung auf die sanfte Art
Heilen ohne Medikamente und Instrumente - das versucht die Osteopathie. Die ganzheitliche Heilmethode geht davon aus, dass sich Gesundheit durch Bewegungen unseres Körpers zeigt. Sind diese eingeschränkt, kommt es zu Blockaden und im schlimmsten Fall zum Ausbruch einer Krankheit. In den USA, Großbritannien und Frankreich wird die Osteopathie schon seit langem erfolgreich angewendet. Jetzt gibt es auch auf Fuerteventura diese Heilmethode. Aus diesem Grund haben wir Frau Martina Hübner zum Gespräch gebeten, die als erste deutsche Osteophatin hier auf der Insel den Zusatz R.N.O. (Registro Nacional de Osteópatas) bekommen hat.
Fuerteonline: Frau Hübner, was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Osteopathie?

Martina Hübner: Die Osteopathie ist ein medizinisches System, das den Menschen als Ganzes behandelt. Der Körper vergleicht man ihn mit einem Uhrwerk - besteht aus einzelnen Elementen und "Rädchen", die ineinander greifen und sich gegenseitig beeinflussen. Funktioniert auch nur ein Teil nicht korrekt, arbeitet das gesamte Uhrwerk nicht mehr vorschriftsmäßig. Genauso verhält es sich auch mit dem menschlichen Körper. Erkrankt ein Organ, wird auch der Rest des Körpers physisch und/oder psychisch in Mitleiden- schaft gezogen. Will man die Beschwerden nun ganzheitlich diagnostisch und therapeutisch behandeln, müssen 3 sich wechselseitig beeinflussende Systeme berücksichtigt werden: der Bewegungsapparat, die inneren Organe und das cranio-sacrale System, das aus dem Schädel (Iat.: cranium), dem Kreuzbein (Iat.: sacrum) und der Wirbelsäule als Verbindungsstück besteht. Wird nun das harmonische Zusammenspiel aller Teile im Körper gestört, zum Beispiel durch Sportverletzungen, Operationsnarben, Abnutzungserschei- nungen der Gelenke, eine falsche Körperhaltung oder auch durch eine Entzündung an den inneren Organen, versucht der Körper, derartige Fehlfunktionen auszugleichen. Das funktioniert meist nicht lange, und dann treten Schmerzen auf. "Leben ist Bewegung" ist ein Grundsatz der Osteopathie. Gesundheit bedeutet ein Höchstmaß an Beweglichkeit. Gesund bleiben beinhaltet, dass der Körper gegebenenfalls Störungen ausgleichen muss. Gelingt dieses nicht, erkrankt der Mensch. Hier kann die Osteopathie als eine rein manuelle Medizin helfen.

FO: Wie wird man denn zum Osteopathen und wie lange dauert die Ausbildung?

MH: Die Ausbildung zum Osteopathen beinhaltet z.B. in Deutschland derzeit eine 5-jährige Weiterbildung in Seminarform,
für die eine vorangegangene Ausbildung zum Arzt, Heilpraktiker oder Physiotherapeut (Krankengymnast) Voraussetzung ist. Seriöse Institutionen bieten umfassend strukturierte Kurskonzepte an, die mehrjährig über Berufsbegleitende Seminare verfügen. Vor einem europäischen Gremium wird dann eine umfassende Prüfung nach den internationalen Richtlinien abgelegt.

FO: Wie ist die Osteopathie überhaupt entstanden?

MH: Das Heilen mit den Händen hat eine über 4.000-jährige Tradition. Schon Hippokrates (460-377 v. Chr.), der Vater der modernen Schulmedizin, bediente sich so genannter manualtherapeutischer Techniken. Allerdings wurde die manuelle Medizin erst im 19. Jahrhundert durch zwei Personen populär. D. D. Palmer (1845-1913) begründete 1897 die Heilmethode der Chiropraktik, der amerikanische Arzt A. T. Still (1828-1917) wiederum gilt als Begründer der Osteopathie. Von den seinerzeit üblichen ärztlichen Praktiken enttäuscht, stellte Still im Jahre 1874 seine Philosophie und Praxis der Osteopathie vor.
Überträgt man den griechischen Begriff Osteopathie wortwörtlich, so ist darunter "Knochen leiden" zu verstehen. Die Bezeichnung ist irreführend, denn es ist nicht die Erkrankung eines Knochens an sich gemeint, wohl aber befasst man sich bei dieser Therapie mit dem Körperbau sowie mit den verschiedenartigen Gewebestrukturen des Menschen.

FO: Mit welchen Mitteln arbeitet der Osteopath?

MH: Statt mit aufwendigen Gerätschaften arbeitet der Osteopath vor allem mit seinen Händen. Dabei ist es oftmals sehr hilfreich, vor einer osteopathischen Therapie eine eingehende schulmedizinische Diagnostik vornehmen zu lassen
(Röntgenbilder, Laborergebnisse), um jene wichtigen Informationen, welche die strukturellen Veränderungen
(z.B. Entzündungen, Infektionserkrankungen, Arthrosen, Organschwächen, Tumoren etc.) des Körpers betreffen, zu erhalten.
In dem Bewusstsein, dass der körperlich perfekt konstruierte Mensch an sich prinzipiell zur Selbstregulation imstande ist, setzt der Osteopath mit seiner Behandlung einen Selbstheilungsprozess in Gang, an dessen Ziel immer das ursprüngliche, naturgegebene Gleichgewicht des Körpers steht - die freie Beweglich keit aller Gewebe. So behandelt der Osteopath nicht die "Symptome", sondern er versucht den Ursachen auf den Grund zu gehen. So kann die Ursache von Rückenschmerzen ganz woanders liegen: z.B. im Bauchraum oder aber auch im Kieferbereich. So sagte einer meiner Lehrer: "Du sollst nicht auf die Geisel schlagen, sondern den Geiselnehmer suchen und entfernen! Mit seinen Händen versucht der Osteopath also, Bewegungs und Beweglichkeitsanomalien im Körper oder in den Gelenken festzustellen und zu korrigieren. Diese Fähigkeit zu erlernen braucht viele Jahre. Ergänzend zur ausgeprägten Sensibilität in den Händen benötigt der Osteopath zusätzliche Kenntnisse vor allem auf den Gebieten der Anatomie, Physiologie und Neurologie, damit er weiß, wie und wo er die Handgriffe anwenden und welche Folgen das haben kann. Es ist wichtig, dass er ebenfalls Kenntnisse im Bereich der Orthopädie, Inneren Medizin, HNO-Bereich, Augen- heilkunde, Chirurgie, Frauen- und Geburtsheilkunde und in der Zahn- und Kieferheilkunde besitzt.
Eine ganz besondere Domäne stellt die Pädiatrie (Kinderheilkunde) in der Osteopathie dar! So ist es in England heutzutage
z.B. üblich, auf den Entbindungsstationen einen Osteopathen anzutreffen, der sofort nach der Entbindung das Neugeborene osteopathisch behandelt, um eventuellen Schäden vorzubeugen, die nach den Anstrengungen einer Geburt und besonders bei Komplikationen während einer Entbindung entstehen können.

FO: Die Osteopathie stellt also einen eigenen Bereich innerhalb der Medizin dar. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit der Schulmedizin?"

MH: Ja, tatsächlich ist die Osteopathie ein vollwertiges medizinisches Diagnostik- und Therapiekonzept, das einen eigenen festen Platz im Gesundheitsbereich hat. In meiner bisherigen 15- jährigen Praxiserfahrung habe ich immer großen Wert darauf gelegt, eng mit der Schulmedizin zusammen- zuarbeiten. Beide Bereiche haben ihren festen Stellenwert im Gesundheitswesen und sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden. So halte ich auch nichts davon, dass Schulmediziner und Osteopathen getrennt voneinander arbeiten, sondern mein größter Wunsch ist es, eine möglichst unvoreingenommene Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Fachbereichen weiter voranzutreiben. Meiner Meinung nach ist dies unabdingbar und wird in Zukunft aus dem Gesundheitswesen (Stichwort: Kostensenkung durch Vorsorge) nicht mehr wegzudenken sein.
So habe ich in Berlin sehr erfolgreich mit Ärzten und Kliniken in allen Fachbereichen zusammengearbeitet und werde auch hier auf Fuerteventura alles dafür tun, um eine Symbiose zwischen Schulmedizin und Osteopathie bzw. Naturheilmedizin Weiterfortzufuhren.

FO: Was hat Sie veranlasst, gerade hier auf Fuerteventura die Osteopathie dem Menschen nahezubringen?

MH: Neben der innigen "Liebe" zur Insel Fuerteventura, die vor 20 Jahren in einem Urlaub begann, stellte ich fest, dass der osteopathische Tätigkeitsbereich hier auf Fuerteventura noch nicht genügend abgedeckt war. So ist es mein Wunsch, ein klein wenig dazu beizutragen, den Menschen hier auf Fuerteventura einen Teilbereich aus der "alternativen Medizin" etwas näher zu bringen und Ihnen gleichzeitig eine Art "Präventivmedizin" vorzustellen, um den heutigen "Zivilisationskrankheiten" etwas entgegensetzen zu können. Hiermit können wir als Osteopathen eine bedeutende Lücke im medizinischen Bereich abdecken.

FO: Wo kann man Sie aufsuchen, um sich von Ihnen osteopathisch behandeln zu lassen?

MH: Am besten kann man mich unter der Mobilfunknummer: 0034 - 628 026 605 oder unter der
Telefonnummer 0034 - 928 863 029 erreichen, um gezielt Termine an den entsprechenden Orten vereinbaren zu können.

FO: Frau Hübner, viel Erfolg und Danke für das interessante und aufschlussreiche Gespräch!