| Fuerteonline: Frau Hübner, was verbirgt sich eigentlich hinter
dem Begriff Osteopathie?
Martina Hübner: Die Osteopathie ist ein medizinisches System,
das den Menschen als Ganzes behandelt. Der Körper vergleicht
man ihn mit einem Uhrwerk - besteht aus einzelnen Elementen und
"Rädchen", die ineinander greifen und sich gegenseitig
beeinflussen. Funktioniert auch nur ein Teil nicht korrekt, arbeitet
das gesamte Uhrwerk nicht mehr vorschriftsmäßig. Genauso
verhält es sich auch mit dem menschlichen Körper. Erkrankt
ein Organ, wird auch der Rest des Körpers physisch und/oder
psychisch in Mitleiden- schaft gezogen. Will man die Beschwerden
nun ganzheitlich diagnostisch und therapeutisch behandeln, müssen
3 sich wechselseitig beeinflussende Systeme berücksichtigt
werden: der Bewegungsapparat, die inneren Organe und das cranio-sacrale
System, das aus dem Schädel (Iat.: cranium), dem Kreuzbein
(Iat.: sacrum) und der Wirbelsäule als Verbindungsstück
besteht. Wird nun das harmonische Zusammenspiel aller Teile im Körper
gestört, zum Beispiel durch Sportverletzungen, Operationsnarben,
Abnutzungserschei- nungen der Gelenke, eine falsche Körperhaltung
oder auch durch eine Entzündung an den inneren Organen, versucht
der Körper, derartige Fehlfunktionen auszugleichen. Das funktioniert
meist nicht lange, und dann treten Schmerzen auf. "Leben ist Bewegung" ist ein Grundsatz der Osteopathie.
Gesundheit bedeutet ein Höchstmaß an Beweglichkeit.
Gesund bleiben beinhaltet, dass der Körper gegebenenfalls Störungen
ausgleichen muss. Gelingt dieses nicht, erkrankt der Mensch. Hier
kann die Osteopathie als eine rein manuelle Medizin helfen.
FO: Wie wird man denn zum Osteopathen und wie lange dauert die
Ausbildung?
MH: Die Ausbildung zum Osteopathen beinhaltet z.B. in Deutschland
derzeit eine 5-jährige Weiterbildung in Seminarform,
für
die eine vorangegangene Ausbildung zum Arzt, Heilpraktiker oder
Physiotherapeut (Krankengymnast) Voraussetzung ist. Seriöse
Institutionen bieten umfassend strukturierte Kurskonzepte an, die
mehrjährig über Berufsbegleitende Seminare verfügen.
Vor einem europäischen Gremium wird dann eine umfassende Prüfung
nach den internationalen Richtlinien abgelegt.
FO: Wie ist die Osteopathie überhaupt entstanden?
MH: Das Heilen mit den Händen hat eine über 4.000-jährige
Tradition. Schon Hippokrates (460-377 v. Chr.), der Vater der modernen
Schulmedizin, bediente sich so genannter manualtherapeutischer Techniken.
Allerdings wurde die manuelle Medizin erst im 19. Jahrhundert durch
zwei Personen populär. D. D. Palmer (1845-1913) begründete 1897 die Heilmethode der
Chiropraktik, der amerikanische Arzt A. T. Still (1828-1917) wiederum
gilt als Begründer der Osteopathie. Von den seinerzeit üblichen
ärztlichen Praktiken enttäuscht, stellte Still im Jahre
1874 seine Philosophie und Praxis der Osteopathie vor.
Überträgt man den griechischen Begriff Osteopathie wortwörtlich,
so ist darunter "Knochen leiden" zu verstehen. Die Bezeichnung
ist irreführend, denn es ist nicht die Erkrankung eines Knochens
an sich gemeint, wohl aber befasst man sich bei dieser Therapie
mit dem Körperbau sowie mit den verschiedenartigen Gewebestrukturen
des Menschen.
FO: Mit welchen Mitteln arbeitet der Osteopath?
MH: Statt mit aufwendigen Gerätschaften arbeitet der Osteopath
vor allem mit seinen Händen. Dabei ist es oftmals sehr hilfreich,
vor einer osteopathischen Therapie eine eingehende schulmedizinische
Diagnostik vornehmen zu lassen
(Röntgenbilder, Laborergebnisse),
um jene wichtigen Informationen, welche die strukturellen Veränderungen
(z.B. Entzündungen, Infektionserkrankungen, Arthrosen, Organschwächen, Tumoren etc.) des Körpers betreffen, zu
erhalten.
In dem Bewusstsein, dass der körperlich perfekt konstruierte
Mensch an sich prinzipiell zur Selbstregulation imstande ist, setzt
der Osteopath mit seiner Behandlung einen Selbstheilungsprozess
in Gang, an dessen Ziel immer das ursprüngliche, naturgegebene
Gleichgewicht des Körpers steht - die freie Beweglich keit
aller Gewebe. So behandelt der Osteopath nicht die "Symptome",
sondern er versucht den Ursachen auf den Grund zu gehen. So kann
die Ursache von Rückenschmerzen ganz woanders liegen: z.B.
im Bauchraum oder aber auch im Kieferbereich. So sagte einer meiner Lehrer: "Du sollst nicht auf die Geisel
schlagen, sondern den Geiselnehmer suchen und entfernen! Mit seinen Händen versucht der Osteopath also, Bewegungs und
Beweglichkeitsanomalien im Körper oder in den Gelenken festzustellen
und zu korrigieren. Diese Fähigkeit zu erlernen braucht viele Jahre. Ergänzend
zur ausgeprägten Sensibilität in den Händen benötigt
der Osteopath zusätzliche Kenntnisse vor allem auf den Gebieten
der Anatomie, Physiologie und Neurologie, damit er weiß, wie und wo er die Handgriffe anwenden
und welche Folgen das haben kann. Es ist wichtig, dass er ebenfalls
Kenntnisse im Bereich der Orthopädie, Inneren Medizin, HNO-Bereich,
Augen- heilkunde, Chirurgie, Frauen- und Geburtsheilkunde und in
der Zahn- und Kieferheilkunde besitzt.
Eine ganz besondere Domäne stellt die Pädiatrie (Kinderheilkunde)
in der Osteopathie dar! So ist es in England heutzutage
z.B. üblich,
auf den Entbindungsstationen einen Osteopathen anzutreffen, der
sofort nach der Entbindung das Neugeborene osteopathisch behandelt,
um eventuellen Schäden vorzubeugen, die nach den Anstrengungen
einer Geburt und besonders bei Komplikationen während einer
Entbindung entstehen können.
FO: Die Osteopathie stellt also einen eigenen Bereich innerhalb
der Medizin dar. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit der Schulmedizin?"
MH: Ja, tatsächlich ist die Osteopathie ein vollwertiges medizinisches
Diagnostik- und Therapiekonzept, das einen eigenen festen Platz
im Gesundheitsbereich hat. In meiner bisherigen 15- jährigen
Praxiserfahrung habe ich immer großen Wert darauf gelegt,
eng mit der Schulmedizin zusammen- zuarbeiten. Beide Bereiche haben
ihren festen Stellenwert im Gesundheitswesen und sollten nicht getrennt
voneinander betrachtet werden. So halte ich auch nichts davon, dass
Schulmediziner und Osteopathen getrennt voneinander arbeiten, sondern
mein größter Wunsch ist es, eine möglichst unvoreingenommene
Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Fachbereichen weiter voranzutreiben.
Meiner Meinung nach ist dies unabdingbar und wird in Zukunft aus
dem Gesundheitswesen (Stichwort: Kostensenkung durch Vorsorge) nicht
mehr wegzudenken sein.
So habe ich in Berlin sehr erfolgreich mit Ärzten und Kliniken
in allen Fachbereichen zusammengearbeitet und werde auch hier auf
Fuerteventura alles dafür tun, um eine Symbiose zwischen Schulmedizin
und Osteopathie bzw. Naturheilmedizin Weiterfortzufuhren.
FO: Was hat Sie veranlasst, gerade hier auf Fuerteventura die Osteopathie
dem Menschen nahezubringen?
MH: Neben der innigen "Liebe" zur Insel Fuerteventura,
die vor 20 Jahren in einem Urlaub begann, stellte ich fest, dass
der osteopathische Tätigkeitsbereich hier auf Fuerteventura
noch nicht genügend abgedeckt war. So ist es mein Wunsch, ein
klein wenig dazu beizutragen, den Menschen hier auf Fuerteventura
einen Teilbereich aus der "alternativen Medizin" etwas
näher zu bringen und Ihnen gleichzeitig eine Art "Präventivmedizin"
vorzustellen, um den heutigen "Zivilisationskrankheiten"
etwas entgegensetzen zu können. Hiermit können wir als
Osteopathen eine bedeutende Lücke im medizinischen Bereich
abdecken.
FO: Wo kann man Sie aufsuchen, um sich von Ihnen osteopathisch
behandeln zu lassen?
MH: Am besten kann man mich unter der Mobilfunknummer:
0034 - 628 026 605 oder unter der
Telefonnummer 0034 - 928 863 029
erreichen, um gezielt Termine an den entsprechenden Orten vereinbaren
zu können.
FO: Frau Hübner, viel Erfolg und Danke für das interessante
und aufschlussreiche Gespräch!
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